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Lernen, was nicht in den Büchern steht

Außenminister Westerwelle mit Edmond Haxhinasto und albanischen Jungdiplomaten
Eine Premiere: Sechs Wochen lang leben und lernen 18 junge Diplomaten aus sieben Ländern des Westlichen Balkans zusammen in Berlin. Das Motto: "Towards a Common Future" - gemeinsam die Zukunft gestalten.

Die Nachwuchsdiplomaten absolvieren ein intensives Programm im Rahmen der Internationalen Diplomatenausbildung im Auswärtigen Amt: Rhetorikseminare stehen genauso auf dem Stundenplan wie Vorträge zur Außenpolitik, Austausch mit Nichtregierungsorganisationen, Reisen in deutsche und europäische Städte und ein Deutschkurs. In Rollenspielen und Simulationen wird das Erlernte praktisch umgesetzt.

Es sei gerade die enge Verzahnung von Theorie und Praxis, die das Programm so attraktiv mache, finden die Teilnehmer. "Wir haben die Möglichkeit, Deutschland von innen heraus kennenzulernen, uns mit Mitarbeitern des Auswärtigen Amts über ihre tägliche Arbeit zu unterhalten. Wir lernen so all das, was nicht in Büchern nachzulesen ist", sagt Eva Nastas aus Albanien, die in der Protokollabteilung ihres Außenministeriums arbeitet.

So hatte sie zum Beispiel Gelegenheit, sich im Vorfeld des Besuchs des albanischen Außenministers in Berlin mit den deutschen Protokollmitarbeitern auszutauschen. "Mich interessiert die Logistik", sagt die junge Albanierin. "Setzen sie Motorräder ein? welche Autos benutzt das Protokoll für den Besuch?" Besonders gefreut hat sich Eva, dass sich der deutsche Außenminister und sein albanischer Kollege während des Besuchs auch Zeit nahmen, sie und ihre albanischen Lehrgangskolleginnen zu treffen.

Am ersten Lehrgang für Diplomaten aus dem Westlichen Balkan nehmen Vertreter aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Kroatien, Montenegro, Serbien und der ehemaligen jugoslawischen Republik (EJR) Mazedonien teil. Das Ziel des Programms sei es, die regionale Kooperation der Länder untereinander zu fördern, erklärt der Leiter der Internationalen Diplomatenausbildung im Auswärtigen Amt, Matthias Fischer: "Außerdem wollen wir die Länder auch auf dem Weg zu ihrem gemeinsamen Ziel - dem EU-Beitritt - begleiten."

Das Programm biete eine "ausgezeichnete Möglichkeit, auf bestehendes Wissen aufzubauen", findet Dimitrie Manevski aus der EJR Mazedonien, wie Eva Nastas Mitarbeiter in der Protokollabteilung seines Außenministeriums. Er ist sich sicher: Die gemachten Erfahrungen werden ihm helfen, positive Veränderungen in seinem eigenen Land anzustoßen. So könnten die Länder auf dem Balkan von der offenen Art, mit der die Deutschen mit ihrer eigene Vergangenheit umgehen, lernen. "Auch wir haben dunkle Aspekte in unserer Vergangenheit, aber wir sprechen nie darüber. Ich denke, dass miteinander reden hilft, Geschehenes zu verarbeiten. Außerdem öffnet man sich so dem Anderen", sagt Dimitrie.

Begeistert zeigt sich Dimitrie auch von dem Freizeitangebot: "Jazzfestival, ein Fußballspiel, Museumsbesuche. Wir bekommen so viel geboten. Wir können auf diesem Wege viele verschiedene Facetten der deutschen Gesellschaft kennen lernen."
Auch Snezana Visnjic, Jungdiplomatin aus Bosnien und Herzegowina, ist sich sicher, dass sie das Erlernte in ihrem Alltag umsetzen kann. Sie erläutert: "Nehmen wir das Seminar zur Rhetorik und zur Verhandlungsführung. Ich werde ganz sicher all die Kniffe und Techniken, die uns beigebracht wurden, auch in Zukunft benutzen." Vielleicht kann Snezana, die eigentlich in der EU-Abteilung des bosnisch-herzegowinischen Außenministeriums arbeitet, das neu erlernte Verhandlungsgeschick künftig auch bei ihren Vorgesetzten in der Personalabteilung überzeugend einsetzen. Wohin sie und die anderen Teilnehmer im Anschluss an ihre jetzige Tätigkeit versetzt würden, seit total offen und hänge von vielen Faktoren ab, erklärt Snezana. Das Rüstzeug, in den Botschaften ihrer Länder in Deutschland arbeiten zu können, hätten sie nun vermittelt bekommen. "Und wir würden alle liebend gern nach Berlin zurückkommen, um hier länger zu arbeiten", setzt sie mit einem Lächeln hinzu.

In wenigen Tagen geht der Lehrgang zu Ende und die jungen Diplomaten werden an Ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Ob sie einander vermissen werden? "Sicherlich", meint Eva Nastas, "aber das Wichtige ist, dass wir einander so nah sind. Wir können uns jederzeit besuchen." Dem Ziel einer "common future" sind sie damit schon ein ganzes Stück näher gekommen.


 
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